Selbst machen oder machen lassen?

May 10, 2019

 

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Eine wirtschaftliche Frage

Heute Vormittag werde ich meine Reifen wechseln. Ich mache das selbst. Und warum? Weil es für mich günstiger ist Reifen selbst zu wechseln als dies machen zu lassen. Es ist also eine wirtschaftliche Frage, ob ich etwas selbst mache oder machen lasse. Mit „machen lassen“ ist dabei gemeint, dass die jeweilige Aufgabe an einen Dienstleister abgegeben wird, der sich um die Erfüllung der Aufgabe kümmert. Selbstverständlich gibt es noch andere Aspekte neben dem wirtschaftlichen Aspekt beim selbst machen und machen lassen, aber heute soll es einmal rein um den wirtschaftlichen Aspekt gehen.

 

Warum mache ich das selbst?

Nehmen wir als heutiges Beispiel ruhig das Reifen wechseln, viele können sich mit diesem Thema identifizieren oder bekommen davon etwas in ihrem Umfeld mit. Ich mache den Reifenwechsel selbst, weil ich behaupte, dass dies für mich günstiger ist. Überlegen wir uns also einmal die Kosten für „selbst machen“:

  • Persönliche Kosten: Dauer sind 2 Stunden (mit Reifen waschen, um Langlebigkeit zu gewähren), mein Netto-Stundenlohn beträgt circa 12€/Stunde, das macht gesamt 24€.

  • Energie- und Abnutzungskosten: Wasser- und Seifenkosten, Abnutzung Werkzeuge et cetera, diese Position ist schwierig abzuschätzen, ich nehme einmal 2€ an.

Gesamtkosten sind für mich beim „selbst machen“ 26€, wobei es bei mir so ist, dass ich die Reifen zu Hause lagern kann und folglich hierfür keine Kosten entstehen. Zur Erklärung warum ich meinen persönlichen Netto-Stundenlohn verwende: Die Annahme ist, dass ich in der Zeit, in der ich die Reifen wechsle, auch arbeiten könnte und in diesem Fall 24€ mehr auf meinem Konto hätte. Folglich betragen die (fiktiven) Kosten für meine Arbeitskraft 24€. Diese Überlegung ist notwendig, wenn eine Gesamtkostenbetrachtung gemacht werden soll. Warum wir diese machen und wie diese genau funktioniert, werde ich weiter unten noch erklären. Schauen wir uns nun noch kurz die Kosten an, wenn ich meine Reifen wechseln lasse:

  • Werkstattkosten: Aus diversen Quellen weiß ich, dass ich mit circa 30€ für das einmalige Wechseln der Reifen rechnen sollte.

  • Persönliche und sonstige Kosten: Ich muss das Auto hinfahren und abholen, dazu benötige ich circa eine halbe Stunde Zeit, das Auto wird in insgesamt 10km Fahrt abgenutzt, benötigt Benzin und hat Versicherungskosten. Dies macht 6€ (aufgrund meines persönlichen Netto-Stundenlohns) und 2,50€ für das Auto (ich nehme bei meinem Auto 0,25€ pro Kilometer an). Dies macht zusammen 8,50€.

Gesamtkosten sind für mich beim „machen lassen“ 38,50€. Das „machen lassen“ ist folglich 12,50€ teurer als das „selbst machen“. Aus diesem Grund wechsle ich meine Reifen selbst. Warum meine Entscheidung aber auch anders ausfallen könnte, werde ich dir nun im folgenden Teil etwas allgemeiner vorstellen. Damit kannst auch du für dich kritisch bewerten, ob du allgemein etwas lieber selbst machst oder machen lässt – rein wirtschaftlich betrachtet versteht sich.

 

Selbst machen oder machen lassen?

Damit du einen nun einen Überblick hast, ob es sich für dich rein wirtschaftlich mehr lohnt selbst etwas zu machen oder etwas machen zu lassen, möchte ich dir in folgendem Schaubild eine Übersicht geben:

 

 

„Wirtschaftlich“ bedeutet in diesem Schaubild nichts anderes als: „Aus Sicht des Geldes lohnt es sich, ich spare mir Geld“. Nehmen wir nun einen Ast des Schaubilds als Beispiel, damit ich dir die Vorgehensweise besser erklären kann: Zunächst steht eine Aufgabe an, zum Beispiel das Reifen wechseln. Wir befinden uns im gelben Fenster. Nun berechnest du erst einmal die GESAMTkosten für „selbst machen“ und „machen lassen“ so wie ich dies oben für mein persönliches Beispiel des Reifenwechselns getan habe. Nun wird auch klar, warum wir eine Gesamtkostenbetrachtung machen: Nur, wenn wir alle Kosten summieren, können wir am Ende „selbst machen“ und „machen lassen“ miteinander vergleichen. Merke dir also: Summiere immer ALLE Kosten, die für eine Vorgehensweise anfallen. Dazu gehören Energiekosten (Strom, Wasser etc.), persönliche Kosten (dein persönlicher Netto-Stundenlohn mal die Zeit), der Wertverlust und die Abnutzung von Gegenständen (z.B. Auto, eigene Werkzeuge), die externen Dienstleistungskosten (z.B. die Werkstattkosten oder der Handwerker) und sonstige Kosten, die dir noch so einfallen. Wenn du nun alle Kosten für „selbst machen“ und für „machen lassen“ summiert hast, weißt du, ob „selbst machen“ oder „machen lassen“ günstiger ist. Entsprechend wählst du eines der beiden grünen Fenster aus. In den blauen Fenstern triffst du nun deine Entscheidung: Ich mach es selbst oder ich lasse es machen. Hast du dich für „Ich lasse es machen“ entschieden, musst nun noch in den orangenen Fenstern auswählen, ob du in der Zeit, die du jetzt gewonnen hast, weil du die Aufgabe machen lässt, arbeitest und Geld verdienst oder ob du nicht arbeitest und deine Freizeit genießt. Zuletzt erhältst du dann das Ergebnis, ob deine Vorgehensweise wirtschaftlich ist oder nicht, in den orangenen Fenstern mit der schwarzen Schrift in Großbuchstaben. Wenn in meinem Fall folglich das „selbst machen“ günstiger ist und ich die Reifen auch wirklich selbst wechsle, ist mein Vorgehen nach obigem Schaubild wirtschaftlich.

 

Ich mach es nicht selbst!

Was wäre aber, wenn ich die Reifen bewusst nicht wechsle, sondern wechseln lasse? Ich würde in diesem Fall zwar mehr Geld für den Reifenwechsel benötigen, jedoch mir die Zeit erkaufen, die mich der Reifenwechsel gekostet hätte. Diese Zeit kann ich nun verwenden, um mich weiterzubilden oder in meiner Arbeit voranzukommen (um dadurch in Zukunft mehr zu verdienen). Zum Beispiel könnte ich die gewonnene Zeit nutzen, um mir nebenberuflich etwas aufzubauen. Es ist also eine ganz klare Investitionsfrage, wenn ich bewusst die Tätigkeit „Reifen wechseln“ abgebe und in der dadurch gewonnenen Zeit mehr für meinen persönlichen Erfolg mache. Ich investiere dann genau genommen 12,50€ in meine persönliche berufliche Zukunft. Aktuell mache ich dies noch nicht – nicht zuletzt, weil mir das Reifen wechseln auch Spaß macht – in Zukunft könnte dies jedoch anders aussehen. Und auch du kannst dich jetzt fragen wie deine Entscheidung bei der nächsten Situation, in der es um „selbst machen“ und „machen lassen“ geht, ausfallen wird. Verwende dazu einfach das obige Schaubild!

 

Fazit

Ein wichtiger Punkt sei noch angemerkt: Wir nehmen an, dass für dich das „machen lassen“ günstiger ist und aus diesem Grund lässt du die Aufgabe von einem Dienstleister erledigen und arbeitest in der gewonnenen Zeit, in der deine Aufgabe für dich erledigt wird. In dieser Zeit verdienst du nun sogar so viel Geld, dass du die Gesamtkosten für „machen lassen“ deckst und noch Einiges übrig hast. Das ist natürlich super! In diesem Fall kannst du dir überlegen, ob du nicht nur so lange arbeitest bis zu die Gesamtkosten gedeckt hast und die restliche Zeit der gewonnenen Zeit verwendest du für Freizeit. Dann bist du zwar nicht wirtschaftlicher, aber auch nicht unwirtschaftlicher mit der „machen lassen“-Lösung unterwegs, jedoch hast du Lebenszeit gewonnen. Und damit sind wir beim abschließenden Punkt angekommen: Immer, wenn am rechten Ende des Schaubildes „UNWIRTSCHAFTLICH“ steht, ist es reiner Luxus, den du dir hier gönnst. Nicht in allen Fällen hast du dann Lebenszeit gewonnen (vergleiche den Fall, dass „machen lassen“ günstiger ist und du es aber selbst machst). Jedoch, wenn einmal über den wirtschaftlichen Aspekt hinausgegangen wird, ist es doch wichtig, dass du das machst, was dir Freude bereitet. Zum Beispiel ist dir das Wechseln der Reifen wichtig und bereitet dir Freude, aber das „machen lassen“ wäre eigentlich günstiger. Wenn du die Reifen dann selbst wechselst, ist es zwar gesamt betrachtet teurer, jedoch hast du das getan, was dir Freude bereitet. Dieses Argument solltest du bei deiner Entscheidung nie außer Acht lassen! Oder bei dir liegt der umgekehrte Fall vor und das „selbst machen“ ist günstiger, jedoch magst du Reifen wechseln so überhaupt nicht. Gut, dann lässt du die Reifen halt wechseln und in der gewonnenen Zeit arbeitest du am besten oder bildest dich fort. Ich will lediglich, dass du dir bewusst vor Augen führst, ob du gerade eine wirtschaftliche oder unwirtschaftliche Entscheidung getroffen hast. Denn dieses Bewusstsein und dieses Wissen kann darüber entscheiden wie du in Zukunft mit deinem Geld und mit Ausgaben umgehst. Und jetzt wünsche ich dir viel Erfolg bei deiner nächsten Entscheidung über „selbst machen“ oder „machen lassen“.

 

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