Ist eine gute Freundschaft zwischen Mann und Frau überhaupt ohne Gefühle möglich?

November 2, 2018

Bereits öfters im Leben machte ich die Erfahrung, dass Frauen und Männer bei langanhaltender guter Freundschaft dazu neigen sich ineinander zu verlieben. Die gute Freundschaft war dann meistens zu Ende und ein Chaos von Gefühlen beiderseits folgte.

 

Bevor wir weiter in das Thema einsteigen möchte ich ein paar Rahmenbedingungen klären: Wenn weiterhin von „Frauen“ und „Männern“ gesprochen wird, so wird davon ausgegangen, dass diese beiden heterosexuell sind. Die beschriebenen Sachverhalte lassen sich natürlich auch auf Frau und Frau und Mann und Mann beschreiben, wenn diese jeweils homosexuell sind. Wer das möchte kann also auch jede „Frau“ durch „Mann“ ersetzen und umgekehrt, um sich das vorliegende Thema für Homosexuelle vorstellen zu können. Letztendlich ist es nur wichtig, dass jeweils das eine Geschlecht das andere Geschlecht attraktiv findet und sich mit diesem eine Beziehung und Sex vorstellen kann.

 

Nun zurück zum eigentlichen Thema: Neulich erfuhr ich wieder einmal davon, dass eine gute Freundschaft mit Sex „endete“. Ich will nicht sagen „endete“ – schließlich ging es danach auch noch weiter – aber selbstverständlich war die Situation anders als zuvor. In diesem Fall hörte ich die Geschichte von einem Mädchen und sie erzählte davon, dass sie den Jungen nun schon etwas länger kannte, mit ihm die gleiche Universität besucht und die beiden bisher gut befreundet waren. Neulich kam es jedoch dann dazu, dass die beiden Sex hatten und seitdem sei alles etwas anders, keiner der beide wüsste so genau was der andere eigentlich wollte.

 

Und so ist das oft: Mann und Frau befinden sich in einem guten freundschaftlichen Verhältnis und eines Tages haben diese beiden Personen Sex und keiner der beiden kann sich dies erklären. Klar, man hatte ja auch ausgemacht, dass man „nur gut befreundet sei“. Die Frage ist jedoch folgende: Wenn zwei Menschen (Frau und Mann, die generell das andere Geschlecht attraktiv finden) sich menschlich näher kommen, weil sie sich verstehen, weil sie die gleichen Interessen haben, weil sie sich einander sympathisch finden, weil sie sich über alles unterhalten können, weil sie gemeinsam lachen können und weil sie mit der Zeit mehr und mehr einander vertrauen, wo ist dann noch die Grenze zu der Beziehung? Diese beiden Menschen sind offensichtlich gut miteinander befreundet. Und nun wird vielleicht manch einer sagen: „Ja natürlich die eine Sache fehlt: die Liebe!“.

 

Darauf lässt sich wie folgt argumentieren: Die Liebe ist nicht einfach da, sie kommt erst mit der Zeit und die Liebe ist nicht an und aus, sondern sie ist stufenlos möglich. Eine gewisse Form der „Liebe“ baut sich also bereits bei der guten Freundschaft auf. Man würde sie auch die „Liebe zu Freunden“ nennen. Klar, dass es diese gibt, würde auch keiner bestreiten. Jedoch ist diese Liebe noch ein riesiger Unterschied zu der „Liebe zu einer bestimmten Person“, wenn man in diese bestimmte Person verliebt ist. Dies würde auch keiner bestreiten. Die Grenze zwischen guter Freundschaft und der Beziehung ist folglich die Form der Liebe. Was aber, wenn die Formen der Liebe ineinander übergehen können (und das können sie, weil die Liebe – wie oben erwähnt – stufenlos auftritt) und sich somit aus der „Freundschafts-Liebe“ eine „Beziehungs-Liebe“ entwickeln kann und dies zum Teil unterbewusst geschieht. Warum unterbewusst? Ganz einfach – Liebe konnte noch nie jemand bewusst steuern!

 

Liebe kann höchstens und das auch ganz wahrscheinlich – indirekt gesteuert oder „getriggert“ werden. Und wenn man jetzt diesen Gedanken der „Liebes-Triggerung“ mit dem Gedanken des „Übergehens diverser Formen von Liebe ineinander“ weiter spinnt, dann kommt man darauf, dass diverse Handlungen zweier Personen die Liebe verstärken oder verringern kann und diese sich dann unterbewusst entwickelt. Und machen sich zwei Personen diese Handlungen weiterhin nicht einander bewusst, dann ist es für die beiden meist völlig unerwartet beziehungsmäßig ineinander verliebt zu sein und am Ende sogar Sex zu haben.

 

Dazu nun ein paar Anmerkungen: Bloß, weil gute Freunde einmal Sex hatten, heißt es nicht gleich, dass diese beiden Personen wie in einer Beziehung ineinander verliebt sind. Jedoch es hat sich etwas in der Liebe entwickelt oder sagen wir allgemeiner „verändert“. Denn mit der besten Freundin oder dem besten Freund würde man ja nicht schlafen – nein, wenn man mit dieser Person schläft, dann muss schon etwas mehr Anziehung vorhanden gewesen sein. Weiterhin will ich nicht bezweifeln, dass generell eine gute Freundschaft zwischen Mann und Frau nicht möglich ist. Ich will jedoch aufzeigen, dass gewisse Handlungen bestimmte Ereignisse folgen lassen und sich dies auch beim Thema Liebe und Zwischenmenschliches bewusst gemacht werden sollte. Wenn ich in einer guten Freundschaft sehr innig miteinander umgehe, dann ist es doch schlichtweg nichts Verwunderliches, dass ich mich eines Tages mehr ineinander verliebe. Vielleicht sogar so viel, dass ich mit der anderen Person in einer Beziehung zusammenkomme.

 

Klingt fast nach Friede, Freude, Eierkuchen. Warum ist es in der Praxis oft auch anders? Erstens, weil sich die Liebe der beiden Personen zueinander nicht immer gleich stark entwickelt. Mal ist die Frau mehr in den Mann verliebt und ein anderes Mal ist es umgekehrt. Es gibt folglich einen Interessenskonflikt. Und der zweite Grund für die etwas unromantischere Praxis ist, dass die veränderte Liebessituation meist nicht kommuniziert wird.

 

Wenn ihr einem solchen Schlamassel in der Praxis entgehen wollt, dann überlegt euch immer was ihr gerade macht und was für Auswirkungen das in der Zukunft haben wird. Und für den Fall, dass ihr ein solches Dilemma kommt, dann nehmt euren gesamten Mut zusammen und redet miteinander. Denn nur mit der Kommunikation lassen sich Probleme lösen.

 

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